search slide
search slide

Zu ‚Kurz‘ gekommen

Zu ‚Kurz‘ gekommen

Im Urlaub war endlich Zeit, das Buch von Klaus Knittelfelder mit dem Titel „Inside Türkis“ zu lesen. Und kaum ist der Buchdeckel wieder zu, spült die politische Realität all die Namen ans Tageslicht, die eigentlich lieber im Hintergrund geblieben wären.

In dem Buch, das im Frühjahr 2020 im Verlag edition a. erschienen ist, beschreibt der Autor „Die neuen Netzwerke der Macht“; Also die Leute, die der aktuell jüngste Zweifach-Ex-Kanzler der Republik um sich geschart hat, damit sie für ihn denken, kommunizieren und – so jedenfalls die aktuellen Vorwürfe – auch für ihn intrigieren und sich korrumpieren.

Auch wenn man davon ausgeht, dass der Autor als Kronenzeitungsjournalist dem wenig älteren Sebastian Kurz grundsätzlich nicht abneigend gegenübersteht, lässt sich aus seinen Beschreibungen doch klar herauslesen, welch karrierebewusster Macht-Zirkel sich da in den vergangenen Jahren der alten ÖVP bemächtigt hat.

Die engsten Vertrauten von Kurz – vom Chefstrategen und engsten Berater Stefan Steiner bis zum  „obersten Message-Kontrolleur“, Johannes Frischmann nennt der Autor etwa die „Schattenmänner-Allianz“ oder auch „mächtige PR-Truppe“ und „türkises System“.

Projekt Ballhausplatz

Wo kommen die Leute her? (meist aus der niederösterreichischen VP), wie arbeiten sie? (wie hasardierende Jung-Manager) und was treibt sie an? (das Projekt Ballhausplatz).

Fast möchte man meinen, Beobachter eines Experiments zu sein: Kann es gelingen, mit strategischer PR einen im Auftreten talentierten Jungspund zum Bundeskanzler und Medienstar zu machen?

Der Instrumentenkoffer der PR ist groß – vom Interviewtraining bis zu wohl vorbereiteten Wordings, die allesamt das gesetzte Ziel unterstützen sollen. Und ja, Umfragen und Studien gehören da auch dazu.

Immer wieder sind die verwendeten Kunstgriffe auch klar zu erkennen. Etwa die Taktik, ein – wenn auch nichtssagendes – Statement im ORF zur Primetime ganz kurzfristig anzukündigen. Wohlwissend, dass dieses dann live über die Bühne geht und nicht zusammengeschnitten und gekürzt, wie eben aufgezeichnete Pressekonferenzen.

Oder die schon legendäre Handlungsanweisung in Krisenzeiten „Flood the zone with shit“ – jag‘ der Presse jede Menge belangloser Meldungen über den Schreibtisch um von eigentlich interessanteren kritischen Beiträgen abzulenken.

Es menschelt überall

Wer so professionell arbeitet, wie die im Buch „Inside Türkis“ beschriebene Kurz-Truppe, der kann sich seiner Sache eigentlich recht sicher sein – wäre da nicht „menschliches Versagen“, das eben auch in diesen Kreisen vorkommt. Und so liest man einige der im Buch näher beleuchteten Namen aktuell auf den Beschuldigtenlisten der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.

Dass es ein Jahr nach Erscheinen des Buches keinen Bundeskanzler Kurz mehr gibt, hätte sich der Autor wohl nicht gedacht. Experiment „Ballhausplatz“ gescheitert?

Wir werden sehen.

 

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

co