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Zählt bei Medien nur der Nutzen?

Zählt bei Medien nur der Nutzen?

Umsatzzuwachs, Gewinnsteigerung, neue Märkte, neue Produkte – bei diesen Schlagworten springen Wirtschaftsmedien an. Die Orientierung am reinen Nutzen, am Ergebnis, ist nirgends so groß, wie in der Wirtschaftsberichterstattung.

Das ist der Hintergrund, vor dem sich Unternehmen aus dem Sozialbereich in der Kommunikation ihrer Leistungen schwer tun. Wer fragt schon danach, wie viel Leid in sozialen Einrichtungen gelindert wird? Wie viel mehr Lebensmut Menschen in schwierigen Situationen haben, die gut betreut werden? Wie viel Freude und Selbstachtung Menschen gewinnen, die durch Therapie und Begleitung wieder im Alltagsleben Fuß fassen können?

Die Konsequenz aus dieser einseitigen Nutzenorientierung der Medien ist, dass sich auch der Sozialbereich immer stärker an wirtschaftlichen Kennzahlen ausrichtet. Das war die Botschaft  der Referenten bei einer österreichweiten Fachkonferenz zum Nutzen der Sozialwirtschaft diese Woche in Wien.

Es stimmt, die Kommunikation über Medien ist gewissen Spielregeln unterworfen. Daher ist das Einbringen von Zahlen, Daten, Fakten gut und notwendig. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass auch die Journalisten in den Wirtschaftsredaktionen umdenken müssen. Die Zeit des permanenten Wachstums, der Jubelmeldungen über größer, schneller, besser, weiter etc. ist vorbei. Auch in klassischen Wirtschaftsunternehmen wird sich der Fokus vom quantitativen Wachstum auf mehr Qualität nach innen richten. Wertorientierung wird  wichtiger  als reiner Shareholder Value. Nicht zuletzt deshalb, weil Mitarbeiter, die einen gewissen Einkommenslevel erreicht haben, sich mehr am Sinn ihres Tuns ausrichten, als an weiteren Euros. Und weil Konsumenten lernen, zu unterscheiden.

Veränderungen brauchen Zeit und Übergänge bringen das Eine genauso wie das Andere. Ich freue mich jedenfalls schon auf eine Wirtschaftsberichterstattung, die neue Wege des Handelns aufzeigt, neue Denkmuster erklärt und diskutiert, neue Blickwinkel einnimmt und damit auch Lesern neue Antworten gibt auf die Frage nach dem Sinn des Wirtschaftens.

Foto: Volkshilfe

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