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Wer die Wahl hat . . .

Wer die Wahl hat . . .

Wenn eine Wahl geschlagen ist, dann sind die Analysten und die Parteimanager gefordert, die Gründe und Hintergründe für die Entscheidung zu durchleuchten. Da wird man vieles finden, unter anderem auch sprachliche Unterschiede.

Nehmen wir als Beispiel den Spitzenkandidaten der Freiheitlichen Partei im Bundespräsidentenwahlkampf 2016. Bei ihm fällt auf, dass er sich einer sehr einfachen Sprache bedient: Kurze Sätze, kurze Statements, Bilder und konkrete Beispiele. Das vielfach als „sympathisch und glaubwürdig“ ausgelegte Auftreten des Kandidaten ist nicht zuletzt auf seinen sprachlichen Schliff zurückzuführen. Ohne hier in die Tiefe zu gehen, fällt gleich auf, dass der Freiheitliche immer wieder die unterschiedlichsten Metaprogramme matcht, um möglichst viele „Empfängerkanäle“ anzusprechen: z.B. gleich / anders  – ich bleibe bei meinen Grundsätzen / mit mir  als Bundespräsident wird alles anders. Oder Überblick / Detail –  Zitat: „der Präsident muss Österreich im Fall der Fälle schützen“ und dazu ganz konkret die Bemerkung,  seine Waffe gebe ihm ein „Sicherheitsgefühl“.

Dass er da entsprechend geschult ist, legt die Transparentplattform www.meineabgeordneten.at recht übersichtlich dar*: Rhetorik, Medienarbeit, NLP, – alles da, was passendes Werkzeug für die Kommunkation liefern kann.

So weit zur Einschätzung vieler Wähler, dass da ein unverbrauchter Kandidat am Werk sei, der frisch und natürlich von der Leber weg rede….

Der Wahlsieger des ersten Durchganges verwendet aber auch weitaus weniger Fremdwörter als seine wichtigsten Mitbewerber. Während die Kandidaten von Grün und Schwarz oft akademisch sogar Latein-Zitate einstreuen, setzt der Blaue auf Einfachheit. Wenn man bedenkt, dass die Hauptwählerschaft des Wahlsiegers aus Männern im Bildungsniveau unterhalb der Matura besteht, sicher die für ihn richtige Strategie.

Die Parteisekretäre raufen sich bereits am nächsten Tag die Haare darüber, was ihre Parteien falsch gemacht haben. Ein erster Schritt wäre, sich die verwendete Sprache der eigenen Funktionäre genauer anzuschauen. Nun kann man natürlich sagen, dass Inhalt vor Verpackung geht. Aber das hieße, gegen eine Entwicklung anzugehen, die schon lange im Gang ist. Manipulation durch Sprache ist schließlich keine Erfindung des 21. Jahrhunderts.

Ob das nun fair ist oder nicht, steht nicht mehr zur Debatte. Wir können auch nicht mehr darüber diskutieren, ob es Facebook & Co geben sollte oder nicht. Wir müssen lernen, damit umzugehen.

* 1999 Trainerausbildung Kommunikations- und Verhaltenstechnik [Q]
1995-1999 Verhaltenstechnische Seminare
Rhetorik, Kommunikation, Crash Rhetorik, Team Design sowie NLP, Medienarbeit, Projektmanagement

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