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Was tun bei verbalen Untergriffen?

Was tun bei verbalen Untergriffen?

Auf kritische Fragen kann man sich vorbereiten – das ist selbstverständlich Bestandteil meiner Medientrainings. Aber auch kritische Fragen setzen ein gewisses „Fair Play“ beim Fragesteller voraus. „Und was tun, bei verbalen Untergriffen?“, fragte mich ein Teilnehmer, der sich selber als nicht gerade schlagfertig bezeichnete. Nun, was heißt eigentlich schlagfertig – ab jetzt wird zurückgeschlagen? Oder gibt’s da nicht auch andere / bessere Strategien . . .

Gleich vorneweg, es gibt Leute, die bei Tiefschlägen auf Anhieb mit feiner Klinge kontern können – spritzig, humorvoll und was weiß ich noch alles. Allerdings sind diese Rhetorikkünstler dünn gesät. Den meisten Mitmenschen verschlägt’s erst einmal die Sprache, wenn eine schamlos tiefe Verbalattacke daherkommt.

….. Sie sind doch der Chef – haben Sie Ihre Mitarbeiter nicht im Griff?

….. Haben Sie sich als Frau in der Expertenrunde nicht durchsetzen können?

Wummm, das sitzt. Wer jetzt nach Luft schnappt und herumargumentiert, hat schon verloren.

In der Kommunikationstrickkiste hab‘ ich ein paar ganz praktikable „Abwehrmuster“ gefunden.

Regel Nummer eins ist auf jeden Fall, solche verbale Ausrutscher nicht zu nah an sich herankommen zu lassen. Tiefschläge können nur wehtun, wenn sie ihr Ziel erreichen. Also müssen wir danach trachten, auszuweichen.

Seien Sie ein Ignorant

Eine Möglichkeit der Umleitung wäre beispielsweise, gar nicht auf die Frage einzugehen, sondern über ein ganz anderes Thema weiterzureden. Die Attacke läuft ins Leere, der Interviewer muss sich, wenn er hartnäckig ist, wiederholen und hat so die Chance, sachlicher zu formulieren.

Seien Sie scheinfreundlich

Wer nicht gleich abbiegen möchte, kann scheinbar auf die Frage eingehen indem er sie kurz berührt, dann aber konsequent in seinem Kernthema weiterredet. Zum Beispiel: „Interessant. Das Ergebnis der Verhandlungen ist …… „

Drehen Sie den Spieß um

Verbale Untergriffe können auch abgewehrt werden, in dem man sie als Frage gleich wieder zurückschickt. Zum Beispiel: „Wie meinen Sie das – ich als Frau?“, „was meinen Sie mit nicht im Griff?“. Der Angreifer muss nun selber argumentieren und Sie gewinnen Zeit zum Nachdenken. Und wenn er wieder zu tief ansetzt, gibt’s gleich die nächste Verständnisfrage als Retourkutsche.

Interpretieren Sie

Fragen werden gerne flapsig formuliert um zu provozieren. Lassen Sie die Provokation an sich abperlen und interpretieren Sie die Kernaussage ganz sachlich auf allgemeiner Ebene: „Sie wollen damit sagen, dass Frauen in Verhandlungsrunden schlechter gestellt sind?“, „Sie meinen, dass Vorgesetzte jeden Schritt ihrer Mitarbeiter genau überwachen sollten?“

Kein  Gespräch oder Interview ist es jedenfalls Wert, dass Sie sich durch einen direkten und ebenfalls tief angesetzten Konter womöglich selber in die Bredouille bringen. Siegreich steigt bei verbalen Faustschlägen nur aus dem Ring, wer ruhig und sachlich bleibt.

Foto: Alterfalter / fotolia

 

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