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Was ist schon traditionell?

Was ist schon traditionell?

Wenn sich eine Partei als Hüterin der Volkskultur und des Brauchtums aufspielt, dann ist Skepsis angebracht. Und wenn ein sogenanntes Brauchtumsfest vor allem zum Einkaufen einlädt dann erst Recht.

Viele Feste, die wir heute als Brauchtum bezeichnen waren entweder bereits vergessen oder hat es früher bei uns nie gegeben. Erst als kommerzielle Interessen sich „draufgesetzt“ haben, kamen diese so richtig in Fahrt. Martini beispielsweise hat zwar religiösen Hintergrund, aber erst seit die Gastronomie mit dem Gansl-Essen gut im Geschäft liegt, ist Martini außerhalb des Kindergartens wieder ein Thema. Die „Wies’n“ – von München über Wien bis zum Mühlviertlerischen Freistadt ein Großauflauf von Dirndl- und Lederhosenträgern – ist sowieso eine reine Marketing-Erfindung. Und auch eine im dörflichen Geschehen schon fest verankerte „Tradition“ wie etwa der Färbermarkt in Gutau ist nichts anderes, als eine Kreation des Tourismus-Marketings. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes – Veranstaltungen bilden einen wichtigen Eckstein in der PR. Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen und sehr wohl den Hintergrund dafür kennen, bevor man sich als Retter alten Brauchtums feiern lässt.

Und was ist mit den neuen Bräuchen, die schon längst in unserem Kulturkreis verankert sind? Halloween aus Amerika, das indische Farbenfest Holi oder die üppigen Gaben des Weihnachtsmannes sind den jungen Leuten genauso willkommen, wie der Nikolaus und der Osterhase. Was Brauchtum ist und was nicht, entscheidet sowieso der gelebte Alltag und nicht die lenkende Hand eines Politikers.

Solange die Menschen Zeit und Geld zum Feiern haben, ist da noch viel Platz für Neues. Das darf man auch offen kommunizieren, dass man ein Fest veranstaltet, eine Einladung ausspricht, um zum Beispiel mit Kunden und Interessenten in Kontakt zu kommen.

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