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Was ist ein gutes Interview?

Was ist ein gutes Interview?

Ein gutes Interview im Fernsehen hat natürlich „handwerkliche“ Qualitäten – was Fragetechnik und die Form der Antworten anbelangt, sowie optische Komponenten. Aber im Vordergrund steht doch wohl, ob die Zuseher es als gut im Sinne von meinungsbildend, erkenntnisgewinnend und unterhaltend einschätzen.

Dazu wünsche ich mir Interviewte, die nicht wie angenagelt dasitzen und nach jeder Frage in eine Verteidigungstirade ausbrechen. So wie Eva Glawischnik im aktuellen ORF-Sommergespräch. Und einen Interviewer, der seine Gesprächspartner auch einmal ausreden lässt und zuhört, damit wir zuhören können. Das was Armin Wolf vorlegt, nennt man schon eher Kreuzverhör. Was herauskommt, wenn beide gleichzeitig reden, kann man im „Interview“ zwischen Lou Lorenz-Dittelbacher und Frank Stronach erleben. Da hört keiner zu und der Zuseher möchte sich am liebsten die Ohren zuhalten.

Ein Stück Persönlichkeit

Die journalistische Darstellungsform des Interviews ist vortrefflich geeignet, um den Interviewten als Persönlichkeit näher kennen zu lernen.  Das erleben wir, wenn dieser seine Meinung auf den Punkt bringen kann,  authentisch spricht und sich natürlich bewegt. Zudem  möchte ich von einem Interviewten die eine oder andere neue Sichtweise auf Tagesthemen erhalten und immer wieder auch seinen Zugang zu grundsätzlichen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Fragen.

Damit dies möglich wird, braucht es einen Interviewer, der ein Gespür dafür hat, wo das Interesse der Zuhörer-/seher liegt, der wertschätzend und doch hartnäckig nachfragt, wenn sich sein Gesprächspartner in Allgemeinplätzen zu verlieren droht; einen Interviewer, der nicht seinen Fragenkatalog abarbeitet, sondern aus dem Gesprächsverlauf heraus auch neue Themen zulässt (ohne den Roten Faden zu verlieren). Das ist natürlich im Print-Interview, an dem nachher noch gefeilt wird, leichter umsetzbar. Noch dazu, wenn der Platz zur Veröffentlichung nicht zu knapp ist, wie ein Beispiel aus der Zeit online zeigt – ein Gespräch mit dem gerade durch seinen Besuch in Alpbach wieder bei uns präsenten US-Ökonomen Jeremy Rifkin.

Nicht ohne Vorbereitung

Wir PR-Berater/-innen können Menschen auf  ihre Rolle als Interviewte vorbereiten – dazu gibt’s auch einen eigenen Blogbeitrag. Wir können:

  • sie mit möglichen Fragen konfrontieren,
  • sie trainieren kurze, verständliche Antworten zu geben,
  • ihre Sprache von Fachwörtern und Worthülsen entrümpeln,
  • sie dabei unterstützen, ihr Lampenfieber in den Griff zu bekommen
  • und dafür sorgen dass Kleidung und Gestik nicht zu sehr von den Inhalten ablenken.

Für das Coaching der Interviewer sind wir in der Regel nicht zuständig. Schade eigentlich 😉

Bild: (c) ORF (MILENKO BADZIC)

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