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Was fördert gute Gespräche?

Was fördert gute Gespräche?

Interviews durchzuführen, ist eine der spannendsten Aufgaben für Zeitungsmacher. Schließlich hat man es hier unmittelbar mit Menschen zu tun. Die Spielregeln der Kommunikation sind das Werkzeug, das gedruckte Gespräch ist das fertige Produkt.

Vera F. Birkenbihl hat in ihrem Buch „Kommunikation für Könner“ sehr anschaulich dargestellt, dass Kommunikation immer auf zwei Ebenen von statten geht.

Birkenbihl: „Wir können die Arten von Signalen, die wir bei jeder Kommunikation gleichzeitig senden, zwei Kommunikations-Ebenen zuordnen, nämlich der Inhalts-Ebene, auf der wir Informationen von Kopf zu Kopf austauschen und der Beziehungs-Ebene. Hier sorgen unsere Gefühls-Signale dafür, dass wir eine positive, sachlich-neutrale oder negative Beziehung zu unserem Gesprächspartner aufbauen“. Nun leuchte es ein, so Birkenbihl weiter, dass die Kommunikation auf der Inhalts-Ebene umso besser verlaufen werde, je besser die Gefühle auf der Beziehungs-Ebene seien.

Wenn die Beziehungsebene negativ sei, dann habe das Gegenüber so viel damit zu tun, darunter zu leiden, dass es sich nicht auf die Inhalte des Gespräches konzentrieren könne, meint die Kommunikationsexpertin. Der Gesprächspartner stehe sozusagen im Beziehungsnebel, der nur schwer mit Sachinformationen zu durchdringen sei.

Umgelegt auf Interviewsituationen heißt das, dass das Gesprächsklima mindestens so viel zum Erfolg des Interviews beiträgt, wie die gute sachliche Vorbereitung. Wer Claudia Stöckels erfolgreiche Interviewserie „Frühstück bei mir“ kennt, spürt, dass diese zweite Dimension – also das gute Gesprächsklima – das Erfolgsrezept der Journalistin ist. Die Gesprächspartner wähnen sich ob des lockeren, herzlichen Umgangs im Gespräch in Sicherheit und plaudern daher manchmal mehr aus, als geplant. Würde Stöckl mit der Entschlossenheit einer angriffigen, investigativen Journalistin ins Gespräch gehen, wäre die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass die Gesprächspartner sich verschließen, sich verkrampfen und – für diese Art von Interview – viel zu steif und zu unergiebig rüberkämen.

Wie aber schafft man ein angenehmes Gesprächsklima?

Die gleiche Ebene finden

Der erste Eindruck, den zwei Gesprächspartner voneinander gewinnen, kommt nicht vom Reden, sondern zu allererst vom Sehen. Die ersten Sekunden, in denen sich die Gesprächspartner gegenüber stehen, sind schon bedeutend für das Gespräch. So banal es klingt – die Kleidung spielt dabei eine wichtige Rolle. Wer sich auch in der Kleidung auf seinen Gesprächspartner einzustimmen vermag, erleichtert den Einstieg in eine gute Gesprächsatmosphäre. Wenn der Feuerwehrkommandant einem Anzugträger mit Lackschuhen gegenübersteht ist das genauso kontraproduktiv, wie wenn der Unternehmensleiter beim Interview eine Journalistin in Hotpants und Flipflops gegenüber hat.

Die gleiche Sprache sprechen

Gute Kommunikatoren schaffen es mühelos, sich auf die Sprache ihres Gegenübers einzustellen. Also Menschen nicht mit Begrifflichkeiten zu überfallen, die nicht in ihrem Verständniskreis liegen, die Nuancen zwischen Hochsprache und Dialekt geschickt zu nutzen oder auf lange Schachtelsätze zu verzichten.

Zeit zum Zuhören

Gute Kommunikatoren haben aber auch gelernt, zuzuhören. Wer im Kopf bereits die nächste Frage formuliert, während der Gesprächspartner noch antwortet, ist nicht ganz bei der Sache. Und das spürt man. Zuhören bedingt auch, dass man sich für das Gespräch Zeit nimmt. Ein gutes Interview erntet man in der Regel nicht zwischen Tür und Angel. Einen „Sager“ vielleicht. Wer es nur darauf anlegt, der muss provozieren und braucht nicht lange zuhören, denn die nähere Erklärung könnte ja das Grelle des schnellen Wortes schon wieder relativieren. Ein seriöses Interview aber lebt auch von der Tiefe des Gespräches. Und für die braucht man Zeit. Wer signalisiert, dass er zuhört, der wird dies auch mit dem Körper tun – zustimmend nicken, Erstaunen zeigen, mit einer Zusatzfrage nachfassen. Der Gesprächspartner fühlt sich durch diese Signale angenommen, bestätigt und wird gerne weitererzählen. Dafür, dass das Ziel nicht verloren geht, dass die Fragen, die gestellt werden sollen, auch zur Sprache kommen, hat der Journalist als Gesprächsleiter zu sorgen.

Die Kunst des Journalisten ist es dann, das Gespräch für die schriftliche Wiedergabe so zu reduzieren, zu verdichten, zu gestalten, dass die Essenz für den Leser spannend und informativ ist und gleichzeitig den Vorhang lüftet zu der Persönlichkeit des Interviewten.

Foto: © apops – Fotolia.com

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