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Theater auf der Puppenbühne

Theater auf der Puppenbühne

Als Medienfrau seh‘ ich nach dieser Wahl als klaren Gewinner die PR-Branche. Wann je ein Kunde sich dagegen sträuben möchte, dass ihm jedes Wort vorgetextet wird, dass ihm die Kleidung als Markenzeichen auf den Leib geplant wird, dass ihm sein Lebenslauf danach erzählt wird, was zur „Firma“ passt – dann haben wir den Verweis auf das Parade-Beispiel in der Politik, bei dem genau das funktioniert hat.

Größter Verlierer sind die TV-Sender mit ihren sich an Originalität überbieten wollenden Wahl-Sendungen. Allen voran der ORF – wo den Moderatoren gar nicht mehr auffällt, wenn einer immer den gleichen Text hat und mit zwei, drei Kernaussagen jedes Gespräch auf jedem x-beliebigen Sender bestreitet. Schließlich lesen die Fernsehleute selber vom Teleprompter ab und fragen nur das, was ihnen die Redaktion vorbereitet hat. Dementsprechend sinnentleert agieren sie als Moderatoren in den Diskussionen.  Und auch das funktioniert, weil wir Zuseher es gewohnt sind, uns von Medien  berieseln zu lassen während wir essen, am Handy spielen oder ein Zwischendurch-Nickerchen machen. Da ist so eine inhaltsleere Diskussion als Hintergrundrauschen völlig ausreichend. Und wenn dann die eine oder andere Wuchtel ausgepackt wird, gerne auch unter der Gürtellinie ist der Unterhaltungserfolg garantiert und die Einschaltquote stimmt.

Was man von dem halten soll, was man mit eigenen Augen gesehen hat, erfährt man dann ja in der einschlägig vorgekauten Analyse. Damit gar keiner auf die Idee kommt, selber mitzudenken.

Schade, die Universitäten spucken jedes Jahr so viele gescheite Leute aus und dann werden sie als Journalisten oder Politiker zu Darstellern auf einer Puppenbühne. Und vorne kreischen die Kinder und fürchten sich vor der Zukunft.

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