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Teilen oder nicht?

Teilen oder nicht?

Social Media leben davon, dass Beiträge Resonanz hervorrufen – je mehr geliked, kommentiert, geteilt wird, desto höher steigt der Wert des jeweiligen Portals.

Teilen oder liken ist ja auch wirklich schnell gemacht – ein Mausklick zeigt allen meinen „Freunden“ ob mir etwas gefällt oder was ich sogar empfehle, indem ich es auf meinem eigenen Portal teile. Wenn da nicht ein paar offene Fragen wären . . .

  • Wissen Sie, wer mit welcher Zielsetzung hinter der Seite steht, die Sie geteilt haben?
  • Ist Ihnen bewusst, ob Sie damit geschäftliche Interessen unterstützen?
  • Kennen Sie die Inhalte, die der Absender sonst noch so verbreitet und die Sie praktisch mit einem Klick gleich mitempfehlen?
  • Können Sie wirklich mit gutem Gewissen empfehlen, was Sie da geteilt haben?

Sowas könnte einem durch den Kopf gehen, wenn man beabsichtigt, sein eigenes Profil auf FB oder sonst wo als Bühne für andere Darsteller zu öffnen, oder seinen „Freunden“ zu signalisieren, was meinereiner für gut findet.

Schritt für Schritt

Nun muss man nicht gleich an die zweifelhaften Rülpser rechtsgerichteter „Wutbürger“ denken, die sich über alles und jeden aufregen, ohne fundierte Kenntnisse dahinter. Sowas würde man ja sowieso nicht angreifen als redlicher Social Media Nutzer !? Aber Fake News oder simple Geschäftemacherei stehen sehr oft auch hinter lustigen Postings oder schlichten Wohlfühlgeschichten. Also ist ein bisserl Recherche angesagt, bevor es ans Teilen geht.

Schauen wir uns die Sache an Hand eines durchaus positiven Beispieles an.

Ich zum Beispiel mag die Tipps eines rundlichen, mittelalten Gartenfreaks, die unter dem Label „Der Gartencoach“ auf Youtube zu sehen sind. Und ich wär‘ gleich einmal gewillt, diese Adresse auf meiner FB-Seite zu teilen.

Nun gehe ich die Sache langsam an. Was weiß ich eigentlich über den Absender der kleinen Clips? Ist das einfach so ein Freak, der seine Mission des einfachen Gärtnerns unters Volk bringen möchte? Dafür sind die Clips erstaunlich gut gemacht.

Was sonst bezweckt der Herr „Gartencoach“, der übrigens auch auf FB, auf Twitter und Instagram aktiv ist?

Wer macht dem Herrn seine netten Videos und wer kümmert sich um all die sonst noch angebotenen Portale?

Ist er professioneller Gärtner und möchte eigentlich nur seine Webseite promoten, um mir seine Pflanzen zu verkaufen?

Schritt 1: Weitere Beiträge anschauen

Das mindeste an Rechercheaufwand ist, dass ich mir auch andere Beiträge von ihm anschaue, um zu sehen, ob die generelle Linie seiner Veröffentlichungen meine Zustimmung hat. Aber es wäre schon auch seriös, etwas über den Absender der Botschaften, die man weitergeben möchte, zu wissen.

Schritt 2: Impressum auf der Webseite checken

Es genügt eine einfache Recherche nach dem Impressum der Seite, um zu sehen, dass hinter dem „Gartencoach“ eine professionelle Film-Firma steht. Das ist nun per se nichts Unanständiges. Über den emsigen Gärtner erfahre ich allerdings auch nach längerem Durchforsten seiner Portale bzw. der Webseite seiner Filmer nichts. Und dass die angebotene E-Mailadresse nur für geschäftliche Anfragen angeboten wird, macht die Sache auch nicht gerade transparenter.

Erst ein schon eher zufälliger Blick auf die Jacke des Gärtners zeigt eine dezent eingestickte Aufschrift: Horti-Tours. Und jetzt haben wir ihn. Der Gärtner heißt Markus Radscheit und bietet Gartenreisen nach England an. Also könnte man meinen, seine Youtube Auftritte unterstützen sein Business. Allerdings macht der gute Mann seine Reisen nur nebenberuflich, im Brotberuf ist er – wie er auf der Horti-Tours Seite verrät, Technischer Leiter an den Botanischen Gärten der Uni Bonn.

Also zumindest bis hierher kann jeder mit ein paar Mausklicks recherchieren, bevor er etwas öffentlich weiterempfiehlt. Ich bin auch noch den nächsten Schritt gegangen und habe die Macher hinter dem Youtube-Channel kontaktiert, um meine Neugier vollends zu befriedigen.

Schritt 3: Kontakt mit dem Absender aufnehmen

Die Antwort von Andreas Cüppers (Geschäftsführer CUE Media GmbH) kam prompt:

„Der Gartencoach ist eigentlich ein „Zufallsprodukt“. Im Frühjahr 2020 haben wir (CUE Media) Markus (gelernter Gärtner) bei einer Filmproduktion zufällig kennengelernt. Nach zwei Drehtagen hatten wir das Gefühl, dass die Chemie stimmt und wir in der Lage sind, einen hochwertigen YouTube-Gartenkanal aufzubauen. Und genau das haben wir dann aus eigenem Antrieb gemacht: Markus’ Fachwissen und Enthusiasmus gepaart mit unserem technischen und Social-Media-Know-How. Eine geniale Mischung! 

Es gibt also keinen externen Auftraggeber und keinen Investor. Markus macht das was er am besten kann: Gärtnern und erklären. Und wir machen auch das was wir am besten können: Konzeptionieren, Drehen und Schneiden. Da wir als Firma glücklicherweise nicht auf einen schnellen return of invest (Invest im Sinne von erbrachten Dienstleistungen) angewiesen sind, können wir den YouTube-Kanal organisch wachsen lassen. Die aktuellen Zahlen stimmen uns durchaus optimistisch, dass sich der Kanal wirtschaftlich bald selber trägt.“

 Das ist eine klare Ansage. Das gefällt mir – Daumen hoch! Und somit werde ich die Adresse des Videoblogs, den ich inzwischen abonniert habe, gerne mit meinen Freunden teilen. Falls  mich wer fragt, hab‘ ich auch genug Hintergrundwissen zur Quelle.

Teilen mit gutem Gewissen

So sollte es sein – liebe Social Media Nutzer/innen. Ein bisserl Quellenstudium kann schon gewährleisten, dass man nicht allzu leichtfertig fremde Inhalte teilt und damit zu deren Verbreitung beiträgt – wenn man nicht mit klarem Kopf dazu stehen kann. 

 

 

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