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Strategie vor Gelegenheit

Strategie vor Gelegenheit

Nicht alles, was eine Gelegenheit zur Medienpräsenz ist, ist auch wirklich sinnvoll. Manchmal täten Unternehmen besser daran, nicht aufzuscheinen.

Wenn ein bekannter Backmittelhersteller in einem Medienbericht gleichauf mit einem kleinen Bäcker zitiert wird, dann schaut das auf den ersten Blick aus, wie ein tolles Service vom Großen an den Kleinen. So gesehen unlängst in den Regionalausgaben der Tips, wo über den Messeauftritt eines Backmittelherstellers berichtet wurde und je Region ein lokaler Bäcker seiner Freude Ausdruck verleihen durfte, auch mit dabei gewesen zu sein. Ich interpretiere dieses Zusammentreffen so: Der Bäcker freut sich, wenn er in der Zeitung steht und den Backmittelhersteller kostet es nichts, ein paar Zitate oder Namen in seinen Pressetext einzustreuen.

Aber ist sich der kleine Bäcker auch tatsächlich bewusst, welche Botschaft er da aussendet? Er deklariert sich damit öffentlich als Partner oder zumindest Sympathisant dieses Großproduzenten, der ja eigentlich genau das erzeugt, was dem Ruf der Bäcker nicht wirklich hilft – fertige Mehlmischungen mit allen Merkmalen der industriellen Fertigung.

Wenn sich ein Bäcker gegen die Übermacht der Aufbackstationen und Fertigbackwaren aus den Supermärkten behaupten will, dann braucht er genau das Gegenteil – nämlich handwerklich einzigartige Fertigungsprozesse und individuelle Rezepte. Jeder Verdacht, einer der Fertig-Aufmischer zu sein, kann dem Bäcker schaden.

Da zeigt sich, dass in der Öffentlichkeitsarbeit immer die Strategie vor dem Tun steht. Ein erfolgreicher Handwerksbäcker, der sich seiner Positionierung bewusst ist, würde ein noch so verlockendes Angebot zum gemeinsamen Presseauftritt mit einem Industriebetrieb dankend ablehnen.

Foto: Vektorscheffe

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