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Schluckt das Internet TV und Radio?

Schluckt das Internet TV und Radio?

An die Konkurrenz der Privaten bei TV und Radio hat sich der Österreichische Rundfunk (ORF) schon gewöhnt. „Aber die nächste Gefahr lauert schon“, prognostizierte der kaufmännische Direktor Richard Grasl im oberösterreichischen Presseclub eine völlig veränderte Medienzukunft.

„Die nächste Gefahr“, das ist für ORF-Direktor Grasl das Internet.  Der Anteil von Smartphones am Handy-Markt  beträgt 70 Prozent. Mobiles Internet ist also für die Generation  der 15- bis 30-Jährigen allgegenwärtig. „Social Media“ wie Facebook oder Youtube fressen bereits jetzt viel „Medienzeit“ auf. Und sie sind schneller, als alle bisher dagewesenen Medien. Smartphone-Nutzer holen sich auch  ihre Informationen aus dem Web. Sie warten nicht, bis Radio oder TV ihre Nachrichtensendungen abspulen.

Multimedia im Wohnzimmer

Das Stichwort dazu ist Multimedia. Der TV-Schirm daheim im Wohnzimmer wird zur privaten Medienzentrale. „Schon jetzt sind 33 Prozent der TV-Geräte internetfähig, aber nur fünf Prozent werden auch dafür genutzt“, verrät Grasl. Zusätzlich zu den  bereits mehr als 100 TV-Sendern  zur Auswahl  könnten die Konsumenten schon bald dank Google auf ihr „Medienprofil“  abgestimmte Programmangebote via Flatscreen aus dem Internet abrufen. Die schöne neue Fernsehwelt sieht Grasl naturgemäß mit Skepsis. Vor allem, das maßgeschneiderte Programm macht dem ORFler Sorgen: „Die Leute braten immer mehr im eigenen Saft, verblöden dabei“, mutmaßt der Medienmann.

Vertrauen in ORF ist groß

Dass der ORF sich aber gegen die Konkurrenz Internet rüsten muss, ist klar. Laut Grasl tut man das mit österreichischen Eigenproduktionen, mit Life-Events samt App-Angeboten (z.B. Schladming) und mit Nachrichtenqualität. Denn, so weiß man aus Umfragen, das Vertrauen der Österreicher in den ORF ist nach wie vor sehr hoch. Das zeige sich, so Grasl, zum Beispiel bei Wahlsendungen, wo der ORF unangefochten an der Reichweitenspitze liege.

Die Zukunft liegt laut ORF-Direktor  im „Seconds Screen“ – also parallele Mediennutzung. Während am TV-Schirm ein Film oder eine Diskussion läuft, agieren die Zuschauer gleichzeitig mit ihrem Smartphone oder am i-pad in den dazu angebotenen Apps oder in sozialen Netzwerken wie Facebook und Co.

Dabei sein ist alles

Der Blick in die Medienzukunft ist ein schöner Spiegel für das Konsumverhalten der Menschen: Wir wollen alles und zwar sofort. Dass es daneben schon Bestrebungen gibt, das Leben wieder zu verlangsamen durch Regionalität und reale soziale Aktivitäten, wird bei der finanziellen Übermacht der  internationalen Konzerne à la Google wohl nur eine Randerscheinung bleiben. Unternehmen, die auf dem nationalen und internationalen Markt punkten möchten, kommen nicht umhin, sich mit der neuen Medienwelt anzufreunden, wenn sie ihre Kund/innen auch weiterhin erreichen wollen.

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