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Reparieren oder neu machen?

Reparieren oder neu machen?

Wer in der Position ist, von anderen Texte zur Bearbeitung übernehmen zu müssen, der hat es wahrlich nicht leicht. Häufig gilt es, den Impuls zu unterdrücken, das ganze Traktat über den Haufen zu werfen und das Thema eigenhändig neu zu schreiben. Vor allem dann, wenn sich die Schreibwut des Autors über mehrere Seiten ausgetobt hat. Aber erstens ist es erzieherisch nicht wertvoll, alles selber zu machen und zweitens ist es nicht in allen Fällen wirklich notwendig. Also gilt es erst zu checken, ob nicht doch ein Redigieren möglich ist.

Erste Frage: Passt das Thema?

Nach einem ersten flüchtigen Durchlesen ist es Zeit für den Bassena-Test*, um zu beurteilen, ob die Geschichte überhaupt würdig ist, ins Blatt aufgenommen zu werden. Kriterien dafür sind:

  • Neu
  • Einzigartig
  • Aktuell
  • Viele Betroffene
  • Hoher Informationsbedarf
  • Tolles Foto vorhanden
  • Strategisch wichtig

Zweite Frage: Sind die Infos komplett

Hat das Manuskript den Bassena-Test bestanden, ist es auf Vollständigkeit der Information zu überprüfen, nach dem Motto – ist der Artikel erst gedruckt ist es zu spät für Recherchen. Als Hilfestellung dafür dienen die Journalistischen W-Fragen: was, wann, wer, wie, wo, warum?

Dritte Frage: Passt die Reihenfolge

Das Storytelling in Publikationen unterscheidet sich von anderen Texten vor allem durch seine Direktheit. Während uns bei Schulaufsätzen noch der Dreisprung von Einleitung-Höhepunkt-Schluss eingebläut wurde, fallen wir bei Zeitungstexten mit der Tür ins Haus. Sprich: Das wichtigste des ganzen Textes gehört nach vorne! Diese Anordnung entspricht nicht nur den Leser-Erwartungen, sie hat auch die angenehme Begleiterscheinung dass richtig aufgebaute Texte spielend von hinten her gekürzt werden können.

Vierte Frage: Wo kann man auslichten?

In der Regel sind es Füllwörter, unnötige Titel und so manche Plattitüde, die einen Text zu lang werden lassen. Also noch einmal lesen und Platzräuber  rausschmeißen.

*von der Autorin dieser Zeilen benannt nach der legendären gemeinsamen Wasserstelle in früheren Zinshäusern, wo sich die Bewohner über die Neuigkeiten austauschten. In modernen Büros sind das vergleichsweise die Teeküchen, in Gemeinden sind das nicht mehr die meist verwaisten Marktplätze, sondern die Altstoffsammelzentren.

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