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Pathos und Mediensünden

Pathos und Mediensünden

Die Ereignisse der vergangenen Tage haben wohl niemanden kalt gelassen. Auch heute noch füllen Reportagen, Interviews und Ermittlungsdetails vom Attentat in Wien am vergangenen Montag die Zeitungen.

Über allem steht die Trauer um die Opfer. Und die Abscheu gegenüber dem Täter.

Zwei Eindrücke bleiben darüber hinaus haften.

Zum einen, die grenzenlose Gier des Boulevards nach Sensationen. So soll „oe24“ – ein Online-Ableger des Blattes „Österreich“ unmittelbar nach der Tat Amateurvideos davon veröffentlicht haben. „Revolverblatt“ hat man früher solche Druckwerke genannt – die Krone und auch Heute dürfen sich auch zu dieser Kategorie der Medien zählen, bei denen die Aufregung wichtiger ist als der Wahrheitsgehalt oder die Ethik.

Die grobe Verfehlung des Informationsauftrages gibt auch wieder einen Grund zur Forderung, endlich die österreichische Presseförderung nach Qualitätskriterien auszurichten.

Verantwortung von Werbung und PR

Bravo an jene Unternehmen, die daraufhin dem Blatt die Anzeigenaufträge entzogen haben. Wobei man sich schon fragt, warum sie überhaupt dort werben. Jeder bezahlte Auftrag ist auch ein Bekenntnis zum Medium. Da braucht sich keiner auf Auflage oder Quote ausreden.  Heute gibt es so viele andere Möglichkeiten, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen, dass Anzeigenaufträge auch nach ethischen und Leitbild-verträglichen Grundsätzen vergeben werden könnten.

Bravo auch an jene Medien, die sich dafür entschieden haben, den Namen des Attentäters nicht zu nennen, um diesem keine Sekunde eines zweifelhaften Ruhms unter Seinesgleichen zu gönnen! So hat etwa der Standard nicht einmal den Vornamen gedruckt. Danke!

Übertriebenes Pathos

Wenn schon Ruhm, dann gebührt dieser den Helfern und Einsatzkräften. Wenngleich es ein mulmiges Gefühl auslöst, wenn jetzt so viele als „Helden“ gefeiert werden, weil sie das getan haben, was eigentlich selbstverständlich sein müsste: Helfen, wo Hilfe notwendig und möglich ist.

Ein schon unangenehmes Pathos war auch in den Stellungnahmen der Regierungsvertreter nicht zu übersehen. Speziell wenn Kurz und Nehammer mit rot-weiß-roten Masken im Gesicht vor den Mikrofonen antreten, dann regt sich Unbehagen. Terror ist immer zu verurteilen, eine Heraufbeschwörung nationaler Gefühlsüberheblichkeit muss nicht automatisch die Reaktion darauf sein.

Ach ja, wenn man von der vergangenen Medienwoche schreibt, dann wäre natürlich auch die US-Wahl einige Zeilen wert – aber das ist eine andere Geschichte.

Obwohl . . .

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