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Nur ein Sturm im Wasserglas?

Nur ein Sturm im Wasserglas?

Dass die Kommunikation in den Social Media großen Einfluss auf unser Leben hat, zeigt sich immer dann, wenn etwas schief geht. Der Politiker Ackerl und der Bäcker Brandl sind zwei aktuelle Beispiele dafür. Tatsächlich aber gehen die Auswirkungen der neuen Art zu kommunizieren viel tiefer, wie Beate Grossegger, wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien, in einem aktuellen Kommentar erklärt.

Gute Beispiele für Shitstorms lieferten dieser Tage zwei Oberösterreicher. Der Bäcker hatte ein Foto aus seiner Überwachsungskamera auf Facebook gestellt, um damit dem abgebildeten Einbrecher auf die Spur zu kommen. Grober Verstoß gegen den Datenschutz, wetterten daraufhin die Medien. Und in Postings wurde der Bäcker der Fremdenfeindlichkeit bezichtigt, weil der Abgebildete erkennbar Ausländer sei. Der Politiker war mit seinem „Tussi-Sager“ über eine Jung-Politikerin auf seiner Facebookseite verbal ins Fettnäpfchen getreten. Tagelang berichteten die Zeitungen über den Ausrutscher und weideten sich genüsslich an der Empörung in den Facebook-Kommentaren.  Heute hat Ackerl das Handtuch geworfen und seinen Rückzug aus fb angekündigt.

Alles nur ein Sturm im Wasserglas, zwei Wochen später ist das alles wie weggeblasen? Oder auch nicht. In den Köpfen flüchtiger Leser/innen wird weder die Entschuldigung Ackerls noch die Naivitäts-Beteuerung Brandls haften bleiben. Aber der Tussi-Sager und der Einbrecher-Jäger haben in unseren Gehirnen Anker geworfen.

Denken geht verloren . . .

Es ist also nicht egal, wie in Social Media kommuniziert wird. Und ich rate jedem, sich Postings immer im Hinblick auf mögliche Auswirkungen zu überlegen.

Da bin ich allerdings durch die PR geprägt. In der offiziellen Kommunikation von Firmen und Organisationen lässt sich das ja auch noch am ehesten steuern.

Die private Kommunikationswelt vor allem junger Nutzer sieht inzwischen sowieso ganz anders aus. „Die Generation Web 2.0 treibt in einem Strom digitaler Echtzeitkommunikation“ zeichnet Dr. Beate Grossegger in ihrem Aufsatz ein klares Bild. Nachdenken, so meint sie, sei da nur mehr begrenzt möglich: „Denn je mehr permanent gesendet wird, desto weniger wird nachgedacht – dafür fehlt einfach die Zeit.“ Die Conclusio laut Grossegger ist, dass wir auf eine Gesellschaft zusteuern, die das Denken verlernt und sich mit kleinen, zusammenhanglosen Infohappen zufrieden gibt.

Da sind wir gar nicht mehr so weit weg davon – wie die schlichte Aufregung über obige Postings zeigt. Aber auch die gestern veröffentlichte „Pisa-Studie für Erwachsene“ passt in diesen Eindruck. Wenn immer mehr Menschen nicht in der Lage sind, komplexe Texte zu lesen, dann kann man davon ausgehen, dass sie auch irgendwann nicht mehr in der Lage sind, komplexe Gedanken zu denken.

Denken – Sprechen – Lesen – alles eine Frage der Kommunikationskompetenz, die da schleichend flöten geht. Mit sichtbaren Folgen? Wo nicht mehr differenziert kommuniziert wird, da folgen auch stupide, schlichte Taten. Zum Beispiel in der Wahlzelle, wenn das Kreuzerl dort gemacht wird, wo „Sager“ nicht passieren sondern Konzept sind.

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