search slide
search slide

Medienmix geschüttelt oder gerührt?

Medienmix geschüttelt oder gerührt?

Social Media sind schneller als der ORF erlaubt – so flapsig könnte man das Dilemma der angestammten Medienszene beschreiben. Wenn Ski-Star Marcel Hirscher seine Rennkommentare twittert, noch bevor er ein Mikrofon unter der Nase hat, wenn Hochrechnungsergebnisse zum Ausgang der Bundesheer-Volksbefragung schon um 12 Uhr Mittag auf Facebook kommentiert werden, dann wird’s für die Aktualität von  TV und Radio tatsächlich eng.

Die Tatsache, dass Social Media den angestammten Medien auf den Pelz rücken, hat vor allem finanzielle Auswirkungen. Schließlich ist „Medienmix“ bereits in allen Kommunikationskonzepten selbstverständliches Stichwort. Das heißt, Werbeeinschaltungen finden nicht nur in Print, TV und Radio statt, sondern immer öfter auch in Blogs, auf Facebook und anderen Plattformen. Das heißt aber auch, dass Unternehmen und Organisationen immer häufiger ihre Kommunikation selber in die Hand nehmen – selber Blogs betreiben, Videos produzieren usw. Geld, das sonst für bezahlte Einschaltungen in klassischen Medien  ausgegeben würde, fließt mehr und mehr in Eigenproduktionen.

Grundsätzlich eine tolle Sache – jedes Unternehmen, jede Organisation kann publizieren,  kann übers Internet seine Zielgruppen direkt erreichen. Der Wermutstropfen dabei ist allerdings das langsame Schrumpfen der unabhängigen Medien, von denen wir Objektivität, Hintergrundberichterstattung, seriöse Recherche mit Check, Gegencheck und Recheck einfordern. Dass weniger Geld zur Verfügung steht, ist der journalistischen Qualität dieser Medien auch nicht gerade dienlich. So werden auf der einen Seite Zeitungsberichte und Fernsehinformationssendungen immer flacher, auf der anderen Seite erheben die Mahner so wie ORF-Ressortleiter Hans Bürger aus Traun die Stimme und fordern eine verpflichtende Journalistenausbildung um das qualitative Niveau bei der schreibenden Zunft zu heben.

Tatsache ist, dass die Medienlandschaft arg durchgeschüttelt und durchgerührt wird. Wie das ausgeht, wissen wir noch nicht. Für heuer jedenfalls dürfte es eine kleine Entspannung geben. Angesichts einer ganzen Reihe von Wahlen in den Bundesländern und im Herbst auch national können die klassischen Medien mit fetten Anzeigenschaltungen rechnen. Und die Journalisten können ihre Stärken mit Kommentaren, Analysen und Interviews ausspielen.

Foto: Presseclub

Über das Superwahljahr 2013 als „Abschlusskonzert für die Printmedien“ diskutierten im dritten Medienfoyer im oö Presseclub  Meinungsforscher Werner Beutelmeyer, Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle und Zib-Ressortleiter Hans Bürger vom ORF. Bundesländer-Ressortleiter Werner Pöchinger von der Kronen Zeitung in Linz moderierte.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

co