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Ist der Journalismus am Ende?

Ist der Journalismus am Ende?

Aus der Auswahl der Gäste beim ersten Medienfoyer im oö Presseclub geht hervor, dass die Frage „Ist der Journalismus am Ende“ nicht (nur) auf den Niedergang des journalistischen Handwerks durch die Überflutung der Redaktionen mit PR-Botschaften abzielte. Alle drei Diskutanten kommen aus dem politischen Journalismus und fochten um Werte wie Demokratie, Moral und Verantwortung.

Die Guten und die Bösen waren da rasch identifiziert. Reinhard Christl: „Es gibt einen Journalismus, der arbeitet sehr gut und der hat für das Funktionieren der Demokratie eine zentrale Bedeutung – das sind die sogenannten Qualitätsmedien. Auf der anderen Seite gibt’s die Krone, also den Boulevard und der wird immer grauslicher“.  Auch seine Definition für den Begriff Qualitätsmedium lieferte Christl gleich mit: „.. ein Medium, das sie Leute g’scheiter macht.“

Warum der Boulevard per se böse sein  muss, blieb allerdings offen. Da war die Plakativität eines einzelnen krassen Beispiels, das Christl zur Veranschaulichung seiner These mitgebracht hatte,  zu stark.

Dass auch Qualitätsmedien mitunter versagen,  wagte Alexandra Föderl Schmid anzusprechen: “Man muss aber auch an die Geschichten herankommen – das ist im System Haider nicht gelungen.“ Da habe man einem hartnäckigen grünen Politiker und letztlich dem Auspacken eines Beteiligten zu verdanken, dass jetzt der tiefe Sumpf ans Licht komme.

Peter Daser ging auf die ökonomische Situation der österreichischen Medien ein – Personalabbau, sinkendes Inseratenaufkommen und Leserschwund machen es zumindest den Printmedien nicht gerade leicht. Die von Moderatorin Haiden eingeworfene Frage, wie viel denn ein Journalist verdienen müsse, um wirklich objektiv und unbestechlich sein zu können, wäre meiner Meinung nach einmal eine eigene Diskussion Wert. Immerhin zeigen hunderte von politischen Bloggern inzwischen weltweit, dass die Leidenschaft für Gerechtigkeit als Antrieb genügt, um mit journalistischen Mitteln Missstände aufzudecken – vielfach unter hohem Risiko.

Summa summarum war dieses erste Presseclub-Medienfoyer eine interessante Stunde für rund 60 interessierte Gäste – bei weitem nicht alles Journalisten. Die neue Veranstaltungsreihe unter der profunden Moderation von Christine Haiden wird zu einem Highlight im neuen oö Kulturquartier werden. Foto: mediabox, Fotos auf regionews.at

PS. Der Titel der Veranstaltung stammt vom gleichnamigen Buch, das Reinhard Christl herausgegeben hat. Mehr dazu im Blog journalismusdreinull.at

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