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Ist compliance nicht ein alter Hut?

Ist compliance nicht ein alter Hut?

Die Voest führt Compliance-Regeln für 17.000 Mitarbeiter ein. Ein „Compliance Day“ ruft zur aktuellen Diskussion auf. Compliance – also die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen – ist in aller Munde. Justiz, Börsenaufsicht, Kartell- und Wettbewerbshüter machen Druck.

Wer genauer hinschaut, entdeckt in dem aktuellen Thema allerdings nichts grundsätzlich Neues. Compliance ist in erster Linie eine Frage der persönlichen Moral jedes Einzelnen – wenn auch dieser altmodische Begriff nicht gern verwendet wird. Und Compliance im Unternehmen leitet sich sehr stark ab vom Verhalten jener, die da am Ruder sind und daher vorbildlich wirken sollten.  Offenbar ist beides in der Wirtschaft mehr und mehr auf der Strecke geblieben. Die Folge sind grobe Gesetzesverstöße und Strafverfahren. Compliance ist aber nicht nur ein rechtliches Thema. Mit der Compliance-Debatte ruft man nur in Erinnerung, was eigentlich selbstverständlich sein müsste.

Die Frage lautet vor allem: Wie steht’s mit der Unternehmenskultur? Welche Werte werden im Unternehmen tatsächlich gelebt? Woran können und müssen sich Mitarbeiter orientieren? Gibt es ein Leitbild und wenn ja, wie konkret oder schwammig ist dieses?

Und da sind wir im unmittelbaren Feld des Informationsmanagements und der internen Kommunikation (und im Falle von Fehlverhalten auch der Krisenkommunikation).  Auch Unternehmen, die sich nicht Börsen- oder Kartellgesetzen unterwerfen müssen tun gut daran, ihren Wertekatalog festzulegen und zu kommunizieren. Und zwar nicht einmal, sondern immer wieder. Nur, wenn die „Spielregeln“ im Unternehmen bekannt sind, können Mitarbeiter ihr Verhalten danach ausrichten.  Walter Sölle (Cluster Compliance Officer bei Siemens Österreich) stellte beim Compliance-Day in Wien sinngemäß folgende Fragen für Mitarbeiter als Selbst-Test zur richtigen Entscheidung in den Raum:

  • Stimmt das, was ich tue mit den Werten des Unternehmens überein?
  • Kann ich das, was ich tue vor mir selber vertreten?
  • Ist es legal?
  • Will ich später dafür verantwortlich gemacht werden?

Das sind Fragen, die auch kleine und mittlere Unternehmen brauchen, die genauso wie große Konzerne mit dem Handeln ihrer Mitarbeiter assoziiert werden. Wer integre Mitarbeiter haben möchte, sollte sich daher zu allererst das eigene Wertkonzept vorknöpfen und hinterfragen, ob dies nur als Papierleiche in einer Schublade schlummert oder auch täglich gelebt und täglich kommuniziert wird.

OÖN-Ressort-Chef Dietmar Mascher sieht in seinem Kommentar zur Voest-Compliance-Atkion eine zusätzliche Komponente: „Setzt sich der Compliance-Gedanke in einer Branche durch, wird der Wettbewerb fairer. Davon profitieren letztlich auch die Kunden, die sich tendenziell stärker auf die Qualität der gekauften Leistung verlassen können. Fazit: Was derzeit die Konzerne beschäftigt, wird bald auch Thema für den Mittelstand werden.“

Foto: drubig-photo-Fotolia.com

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