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In den Mund nehmen

Ein Wort in den Mund nehmen, etwas ausspucken – unsere Sprache ist manchmal sehr bildhaft, wenn es darum geht zu beschreiben, dass etwas gesagt werden soll. Manchmal wäre es allerdings gescheiter, der oder die Absenderin hätte den Mund gehalten.

Alles was ausgesprochen wird, ist draußen und kann auch gegen den Absender verwendet werden. Das ist eine Binsenweisheit. Bei meinen Medientrainings mache ich immer wieder darauf aufmerksam

In Zeiten überbordender Medienergüsse ist offenbar in Vergessenheit geraten, dass man auch etwas nicht aussprechen darf. Bei den Social Media gibt es schon längst keine Schranken mehr – jeder spuckt aus, was im gerade durch den Kopf geht. Von sogenannten Qualitätsmedien würde ich mir mitunter mehr Abwägung erwarten, bevor etwas “ausgespuckt” wird.

So geht es mir gegen den Strich, wenn die abstrusen Wortkreationen, mit denen FP-Politiker ihre politischen Mitstreiter madig machen wollen, von Journalisten unüberlegt übernommen werden. Ich muss mich als Journalist bei einer Berichterstattung nicht des selben krausen Wordings bedienen wie der Absender der Botschaft. Es ist legitim etwas zu beschreiben oder zu umschreiben, wenn der Kern der Sache berichtenswert erscheint.

Mit dem Nachplappern der mit Absicht geringschätzig konstruierten Wortspiele der Rechten werden diese zum Allgemeingut und die Helferlein in den sozialen Netzwerken tragen sie weiter, bis sie sich in den Gehirnen der Medienkonsumenten festgesetzt haben.

Achten Sie einmal darauf, welche Wortschöpfungen Medien solcherart salonfähig machen, obwohl dies für eine seriöse Berichterstattung nicht notwendig wäre.

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