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Gegengeschäfte

Gegengeschäfte

Ein Gegengeschäft ist in der mittelständischen Wirtschaft gang und gäbe: Geht der Wirt zum Bäcker einkaufen, dann kehrt auch der Bäcker hin und wieder beim Wirt ein – weil er sich dazu verpflichtet fühlt.

So weit, so bekannt. Dass dieses Prinzip immer stärker auch in der Medienwelt angewendet wird und damit die sogenannte vierte Macht im Staat zum angefütterten Schoßhunderl verkümmert, ist ein schändlicher Zug der Zeit.

Es pfeifen eh schon die Spatzen von den Dächern, dass unser PR-Kanzler mit seiner Familie besonders geübt ist darin. Durch wohldosierte Inseratenzahlungen in beträchtlicher Höhe und durch gezielt verteilte Info-Happen geraten Zeitungshäuser in eine Abhängigkeit zur Macht, die eine offene und kritische Berichterstattung gar nicht mehr zulassen.

Und die finanziell und personell ausgedünnten Qualitätszeitungen rudern auf der Stelle. Weniger Leser = weniger Geld.

War das nicht immer schon so? Ja und nein. Politische Einflussnahmen über die Herausgeber oder Chefredakteure waren bei nahestehenden Medien auch in meiner aktiven Journalistenzeit zumindest informell üblich. Zwar schaffte es ein standhafter Chefredakteur, solche Begehrlichkeiten von seiner „Mannschaft“ fern zu halten, aber man wusste natürlich Bescheid.

Heute ist es furzegal, wem das Medium gehört, oder wem der Herausgeber politisch nahesteht. Die PR-Abteilung im Kanzleramt verteilt Zuckerbrot und Peitsche offenbar nur danach, wie das Blatt und seine Leserschaft in die eigene Strategie passt. Und man macht da auch kein Geheimnis draus. Möglicherweise, weil in einer Clique, die nur PR gelernt hat, das Unrechtsbewusstsein fehlt. Medien sind da lediglich als Transporteure der eigenen Position eingeplant und keinesfalls als Korrektiv.

Wenn jetzt sogar prominente Medienmacher ihre Bedenken öffentlich machen, dann muss da schon ordentlich Druck sein im System.

Ein Thema, das alle interessieren sollte, die schon mal das achtenswerte Prinzip der Pressefreiheit angesprochen haben. Eine wirklich hörenswerte Aufarbeitung dazu gibt es auf ORF 1 / Radio in der Serie „doublecheck“, die hiermit wärmstens empfohlen wird.

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