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„Feindbildtechnik“ – wie Sprache wirkt

„Feindbildtechnik“ – wie Sprache wirkt

Im Bundespräsidentenwahlkampf war viel die Rede von den rhetorischen Tricks, mit denen einer der Kandidaten arbeite. Das Thema ist natürlich nicht neu – Manipulation durch Sprache war schon in der unsäglichen Vergangenheit der Nazi-Propaganda ein Thema. Aus gegebenem Anlass erscheint es jedoch sinnvoll, das auch hier zu thematisieren.

Nun kann man entweder staunen, was alles mit dem manipulativen Einsatz von Sprache möglich ist, oder sich sogar davor fürchten. Weniger dämonisierend ist es allerdings, einfach darüber zu reden. Das ist auch die Strategie der Autorin Gloria Beck und ihres Handbuches „Verbotene Rhetorik – Die Kunst der skrupellosen Manipulation“. Offenbar haben etliche blaue Parteifunktionäre das Büchlein als Lehrbuch genommen und eifrig geübt….

Im Kapitel „Feindbildtechnik“ beschreibt Beck schon im Intro, wie man eine Gruppe dazu bringt, zusammenzuhalten und Aggressionsbereitschaft und Angriffslust schürt: „Sie erfinden einen Feind, eine bewusst kreierte, falsche Negativdarstellung.“ Beck: „Sie kanalisieren Aggressionen, indem Sie ihr ein Opfer liefern“. So weit, so bekannt. Was sind nun aber die sprachlichen Tricks für die Feindbildtechnik?

Schlagworte:

Sie verkürzen, simplifizieren und verdichten Inhalte. Beck: „Interpretieren Sie die Geschichte, kondensieren Sie Programme, erheben Sie ohne Skrupel Relatives zu Absolutem, reduzieren Sie Häufiges auf Typisches.“ Dazu könne man durchaus bekannte und angesehene Begriffe verwenden wie: Demokratie, Sicherheit, Schutz, Verteidigung…. „Machen Sie sich die Begriffe zunutze und stellen Sie sie in einen eigenen Kontext“, rät die Autorin.

Metaphern

Der Begriff Metapher bedeutet bildlicher Ausdruckt. „Die Kraft des bildlichen Vergleichs ist immer wieder erstaunlich“.  Beck nennt unter anderem Beispiele aus der Naturkatastrophenmetaphorik:

  • Wie eine Lawine wollen sie uns überrollen
  • Fremdenflut
  • Ein unübersehbarer Menschenstrom

Generalisierungen

„Indem Sie mehrere Personen in einem Feindbild zusammenfassen, entpersonalisieren Sie den Feind“, schreibt Beck und rät: „Verwenden Sie Formulierungen die unpersönlich wirken – man, die, es.“ Beispiele:

  • Die da oben = Politiker
  • Die da draußen = Ausländer
  • Die da unten = Sozialschmarotzer

Dass auch die krudesten Wortkreationen erlaubt sind, gehört zum Werkzeug dazu: „Gutmenschen“ oder „Ausgrenzer“ sind zwei aktuelle Beispiele.  Mitglieder einer gegnerischen Partei sind dann schnell allesamt „Kommunisten“ und Menschen, die aus ihren Heimatländern vertrieben werden, bezeichnet man als „Wirtschaftsflüchtlinge“.

Abschließend rät die Autorin, das so wirksam geformte Feindbild aufrechtzuerhalten und dabei ja nicht zimperlich zu sein: „Vermeiden Sie es, zu vorsichtig vorzugehen. Feindbilder sind keine Orientierungshilfen, sie sind Orientierungsdiktate. Glauben Sie nicht, die Feindbildtechnik sei zu plakativ, zu auffällig zu banal. Fürchten Sie nicht, Sie würden sofort durchschaut. Es wird nicht der Fall sein. Die wenigsten Menschen sind reflektiert und haben die Zivilcourage, selber zu denken.“

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer der bescheidenen Hoffnung, dass zumindest jetzt Journalisten anfangen sich bewusst zu werden, dass sie selber Werkzeuge der „Feindbildtechnik“ geworden sind.

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