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Alles in Zucker?

Alles in Zucker?

Die österreichische Medienszene handelt sich derzeit von einer digitalen Aufregung zur nächsten. Nach dem Shit-Storm über die Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger (diese hatte sich indirekt negativ über die österreichische Musikszene geäußert) bekommt nun der Wiener Rindfleisch-König Plachutta sein Fett ab – in Form eines „Sugar-Storms“.

Die Geschichte ist bekannt – Plachutta feuerte einen Kellner, weil dieser angeblich unerlaubt Zucker aus dem Lager genommen und mit seinen selbst gekauften Erdbeeren verspeist haben soll. Nicht dass die vorher genannten Aktionen so einzigartig und gravierend waren, brachte die Geschichten groß in alle Medien. Es war die Aufregung in den social networks, die wie eine Welle über die Protagonisten hinwegschwappte und die Themen bis in die Printmedien spülte. Das Satire Magazin „Die Tagespresse“ setzte mit dem Zuckerberg noch eins drauf.

Über Facebook, Twitter und Co wird Kritik schneller transportiert, als es den Auslösern recht sein kann. Das patscherte Verhalten nach dem Sturm machte sowohl bei Lichtenegger als auch bei Plachutta die ganze Sache nur noch schlimmer. Die Kommentare auf der Plachutta Facebookseite verheißen nichts Gutes. Und auch der ORF ist offiziell auf der Kritikwelle an seiner Moderatorin ausgerutscht.

Einserseits predigen wir PR-Berater, dass an den Sozialen Medien auch für Unternehmen kein Weg mehr vorbeiführt, andererseits erweisen sie sich mitunter als Schlangengrube. Was also tun, Hände weg und Augen zu? Mitnichten. Facebook & Co spiegeln nur das, was einem auch das echte Leben beschert – nur halt ein bisserl schneller und direkter. Wenn der Herr Plachutta eine Meinung zu dem hat, was seinen Mitarbeitern zusteht und was nicht, dann hat er diese auch ohne social media. Und wenn der Herr Ö3-Senderchef Spatt weiche Knie bekommt, weil eine seiner Mitarbeiterinnen zu schnoddrig war, dann bekommt er sie auch bei anderen Gelegenheiten.

„Seien sie authentisch“,  predige ich in meinen Medienseminaren. Versuchen Sie nichts zu beschönigen und stehen sie zu dem was Sie tun“. Wer das beherzigt, wird auch Kritik aushalten müssen. Aber das ist allemal noch ehrlicher, als Werbesprech und Schönfärberei. Keiner kann everybodys darling sein. Manche wollen uns das zwar einreden, aber echte Menschen machen Fehler. Und dafür kann man sich nur ehrlich entschuldigen, oder es bleiben lassen, wenn die Einsicht fehlt. Was man sonst noch bei  virtueller Aufregung tun kann, lesen Sie in meinem Beitrag „Wie gefährlich ist ein Shitstorm?“.

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